Aufenthalt und Mehrzweck
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  • Diese Woche: festival contre le racisme im Balthasar

    Geschrieben am 4. Juni 2012 Balthasar Keine Kommentare

    04.06-08.06.2012

    FESTIVAL CONTRE LE RACISME 2012

    Das Antifaschismus/Antirassismus-Referat der Studierendenvertretung organisiert zum fünften Mal das festival contre le racisme.

    Es steht dieses Jahr unter dem Motto: »Rechte Intelligenz«.

    Ausführliche Informationen unter: http://festivalcontreleracisme.blogsport.de/.

    Montag, 04.06.2012

    LUCIUS TEIDELBAUM: Die »Neue Rechte«.

    Ein Modernisierungsprogramm der extremen Rechten (Info weiter unten)

    Dienstag, 05.06.2012

    PHILIPP EICHHORN: Trotzkisten des Nationalsozialismus.

    Die Konservative Revolution (Info weiter unten)

    Mittwoch, 06.06.2012

    VINCENT GENGNAGEL: Arnold Gehlen:

    Herausforderung für den linken Konsens?

    (Info weiter unten)

    Donnerstag, 07.06.2012

    MALTE PENNEKAMP: Rechtes Denken an unseren Hochschulen.

    Deutscher Rechtsintellektualismus.

    (Info weiter unten)

    Freitag, 08.06.2012

    BENJAMIN MAYER: How they gonna come …

    Rechtsextremismus als (un-)soziale Bewegung…

    (Info weiter unten)

    Programm mit Info:

    Montag, 04.06.2012

    LUCIUS TEIDELBAUM: Die »Neue Rechte«

    Ein Modernisierungsprogramm der extremen Rechten

    2007 skandalisierten die Medien die Mitgliedschaft der Berliner Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel bei der linken Antirepressions-Organisation »Rote Hilfe«, bis diese schließlich austrat. Dabei wurde allerdings nicht thematisiert, woher diese Information stammte. So wurde übersehen, dass die Diffamierungskampagne ursprünglich von der Wochenzeitung Junge Freiheit initiiert worden war. Die Junge Freiheit gilt als »publizistisches Kanonenrohr der Neuen Rechten«. Wie der Fall Drohsel zeigt, ist die Grenze zwischen bürgerlicher Öffentlichkeit und der »Neuen Rechten« durchlässiger, als diejenige zu der weitgehend isolierten und ausgegrenzten Neonazi-Szene. Weil Medien in ihrer Berichterstattung über »Rechts« meist auf NPD oder Freie Kameradschaften fokussieren, bleibt diese relativ unbekannt und weitgehend unbehelligt, obwohl längst neben der mehr oder weniger in der NS-Tradition stehenden alten auch eine Neue Rechte existiert. Doch wer sind diese »Neuen Rechten« überhaupt? Was an ihnen ist neu, und was alt? Aus welchen Milieus rekrutieren sie sich? Diesen und anderen Fragen will der Vortrag nachgehen.

    Lucius Teidelbaum ist Historiker, freier Publizist und Rechercheur. Seine Fachgebiete sind die extreme Rechte sowie die Grauzonen, die sie umgeben. Er schreibt u. a. regelmäßig für das Antifa-Magazin Der Rechte Rand.

    Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)

    Beginn: 20:00

    Eintritt: frei

    Dienstag, 05.06.2012

    PHILIPP EICHHORN: Trotzkisten des Nationalsozialismus.

    Die Konservative Revolution

    Als »Trotzkisten des Nationalsozialismus« bezeichnete der Historiker Armin Mohler die konservativen Revolutionäre der Weimarer Republik. Die Schwierigkeit, die Vielfalt der völkischen, rechten und nationalistischen Intelligenz jenseits der NSDAP rückwirkend zu einer einheitlichen »Bewegung« zusammenzufassen, zeigt sich aber nicht nur in paradoxen Benennungen, sondern beginnt bereits bei ihrem Verhältnis zum Dritten Reich, ihrer Kapitalismuskritik und der jeweiligen Vorstellung davon, wie Staat und Gesellschaft beschaffen sein sollen. Über all das wurde von konservativen Intellektuellen bisweilen erbittert gestritten. Und dennoch ist individuelles Dissident_innentum noch kein Beweis für mangelnde ideologische Nähe zum Nationalsozialismus. In Kreisen der Neuen Rechten erfreuen sich die Konservative Revolution und ihre Protagonist_innen aktuell großer Beliebtheit, weil sie eine Alternative zum Nationalsozialismus darstellen und eine Traditionslinie abweichender rechter Intelligenz bilden, aus deren Fundus sich neurechte Intellektuelle bedienen und legitimieren können.

    Der Vortrag will in die Gedankenwelt der »Konservativen Revolution« einführen und ihre aktuelle Rezeption aufzeigen.

    Philipp Eichhorn ist FUB-Referent, Pirat_innenkinoaktivist und Autor bei testcard.

    Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)

    Beginn: 20:00

    Eintritt: frei

    Mittwoch, 06.06.2012

    VINCENT GENGNAGEL: Arnold Gehlen

    Herausforderung für den linken Konsens?

    Als einer der zentralen Denker der Konservativen Revolution hat der »letzte konservative Intellektuelle« – neben und nach seinem überzeugten Engagement für den Nationalsozialismus – bis in die 1970er Jahre hinein Beiträge zur »Philosophischen Anthropologie« verfasst und galt damit zeitweise als konservativer Gegenspieler der Frankfurter Schule. Poststrukturalistische Ansätze greifen in kritischer Absicht auf Aspekte konservativen Denkens zurück. Während im Rahmen linker Theoriebildung inzwischen die dekonstruktivistische Lektüre von Martin Heidegger und Carl Schmitt weit verbreitet ist, steht eine Auseinandersetzung mit Gehlens Institutionen- und Freiheitsbegriff noch aus.

    Dieser soll im Vortrag zunächst skizziert werden, um daran anschließend Gehlens Bild des überforderten modernen Menschen als »Mängelwesen« zu diskutieren: Gehlen fragt, ob das autonome Subjekt jene Freiheit überhaupt aushalten kann, die ihm emanzipatorische Politik zur Verfügung stellen möchte? Für Gehlen ist Freiheit ein ambivalenter Begriff. Von Gehlens Warte aus erscheint etwa die Dekonstruktion von Geschlechterverhältnissen als ein Rückschritt, da sie das Individuum mit freien Entscheidungen belastet, von denen es durch institutionelle Verhältnisse vermeintlich entlastet wurde. Aus emanzipatorischer Sicht gilt es, diese Freiheit jedoch in unzähligen sozialen Dimensionen immer wieder neu selbst zu bestimmen – für Gehlen stellt dies hingegen nur individualistischen Intellektualismus dar. Wie ließe sich jedoch einmal errungene Emanzipation progressiv institutionalisieren? Ist das Hinterfragen aller sozialen Institutionen mehr als nur ein Gedankenspiel der »quasselnden Klassen« (Carl Schmitt)? So barbarisch die gegenaufklärerischen Ziele der Konservativen Revolution auch gewesen sein mögen, wir sollten in der Lage sein, uns ihrer Polemik zu stellen.

    Vincent Gengnagel hat in Bamberg Soziologie studiert und liest u. a. konservatives Zeug.

    Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)

    Beginn: 20:00

    Eintritt: frei

    Donnerstag, 07.06.2012

    MALTE PENNEKAMP: Rechtes Denken an unseren Hochschulen.

    Deutscher Rechtsintellektualismus.

    Mit Erfolg hat die »nouvelle droite« in Frankreich die Diskurslandschaft zu ihren Gunsten verändert. Auch in Deutschland trachten Rechtsintellektuelle nach einer Verschiebung der politischen Achse nach rechts …

    Sie treffen sich in Vereinigungen wie dem »Studienzentrum Weikersheim« oder dem »Institut für Staatspolitik«. Ihr Denken hat das Potential, sich nachhaltig zu etablieren. Doch über die tatsächliche Gefahr sind die Beobachter_innen der Neorechten noch uneins. Das hat auch mit ihrer Sprache zu tun, die sich einschlägigen Beurteilungsrastern entzieht. Von ihren Kritiker_innen wird häufig der Vorwurf geäußert, sie tarnten menschenverachtende Ideologie durch harmlos klingende Worte. Wie aber lässt sich diese Mimikry entlarven, und wo wird ein solcher Vorwurf wiederum zur Verleumdung?

    Die Unis schützen rechtes Denken durch akademische Freiheiten und adeln es auf diese Weise. Von hieraus gelingt es ihm, politische Debatten zu beeinflussen. Welche Themen und politischen Positionen muss eine Hochschule aushalten? Wie weit darf die Lehrfreiheit gehen? Der Vortrag versteht sich als Diskussionsvorlage für den Umgang mit rechten Intellektuellen und erörtert Strategien, wie der akademischem Rechtskonservativismus und -extremismus begegnet werden kann.

    Malte Pennekamp ist Student an der Hochschule für Politik in München und war bis 2011 Sprecher der bayerischen Studierendenvertretungen.

    Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)

    Beginn: 20:00

    Eintritt: frei

    Freitag, 08.06.2012

    BENJAMIN MAYER: How they gonna come …

    Rechtsextremismus als (un-)soziale Bewegung…

    Die extreme Rechte in Deutschland ist eine seit vielen Jahren hochvernetzte Akteurin. »Stiefelnazis« beteiligen sich ebenso an rechten Debatten wie neurechte Theoretiker_innen. Klare Grenzen – etwa zwischen NPD und der »Neuen Rechten« – hat es dabei nie gegeben. Seit den 1990er Jahren ähnelt die extreme Rechte aber immer stärker einer sozialen Bewegung, so dass die Bewegungsforschung dazu beitragen kann, ihre Strukturen und Funktionsweisen deutlicher aufzuzeigen. Die Netzwerke der extremen Rechten sind dabei vielfältig. Verbindungen kommen über Organisationen und persönliche Kontakte zustande, wie auch die ideologischen Kontinuitäten eine bedeutsame Rolle spielen. Um zu zeigen, wie das alles funktioniert, wagen wir einen Ritt quer durch die extreme Rechte in Deutschland: von »National Befreiten Zonen« über die Bedeutung von Demos bis hin zur Funktion rechter Führungsfiguren. Dabei soll besonders das Zusammenspiel im Zentrum stehen. Anhand konkreter aktueller Beispiele wird erläutert, wie diese Netzwerke funktionieren.

    Benjamin Mayer ist freier Autor u. a. für Publikative.org und für den Zeit-Online Störungsmelder.

    Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)

    Beginn: 20:00

    Eintritt: frei